Wichtige Änderung bei Amazon-Wishlists – Update 2026

Wichtige Änderung bei Amazon-Wishlists – Update 2026

Amazon hat die Bedingungen für öffentliche und geteilte Wishlists geändert. Diese Änderung hat besonders starke Auswirkungen auf Content Creator, die ihre Wishlist-Adresse bisher gezielt zum Schutz ihrer Privatsphäre genutzt haben.

Kurzfassung: Ab dem 25. März 2026 kann bei Käufen über Amazon-Wishlists deine private Lieferadresse an Drittanbieter und ggf. auch an Käufer über die Sendungsverfolgung sichtbar werden, ohne dass du das technisch verhindern kannst.

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Was hat Amazon konkret geändert?

 Bisher war es möglich Käufe über Drittanbieter bei Wishlists auszuschließen. Unter anderem konnte man auf diese Weise seine private Adresse schützen. Amazon entfernt jetzt diese Option.

Das bedeutet konkret:

  • Artikel auf deiner Wishlist können künftig auch über Drittanbieter gekauft werden, wodurch Deine Privatadresse/Lieferadresse an Verkäufer und Versanddienstleister weitergegeben wird.
  • Über Versand- und Trackinginformationen kann deine Adresse während der Zustellung für den Käufer sichtbar werden.
  • Es gibt keine Möglichkeit mehr Drittanbieter auszuschließen.

Amazon selbst empfiehlt in der versandten Mail ausdrücklich, bei öffentlich geteilten Wishlists keine private Wohnadresse mehr zu hinterlegen.

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🚨

Warum wir das für ein ernstes Problem halten

  • Viele Content Creator nutzen Wishlists, um von der Community Unterstützung oder Geschenke erhalten zu können.
  • Privatadressen sind ein häufiges Ziel von Doxing, Essensraids und Swattings.

Problematisch: Diese signifikante Änderung wurde von Amazon nur per E-Mail kommuniziert. Viele Content Creator haben diese Mail wahrscheinlich nicht gesehen, nur grob überflogen oder die Tragweite nicht richtig eingeschätzt, da man bislang auch nicht von Hate-Raids betroffen war. Deshalb ist es wichtig, dieses Thema ausführlich zu behandeln und auf die Risiken hinzuweisen.

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Was du jetzt tun solltest

 

  1. Lieferadresse ändern/löschen

Wenn du deine Amazon-Wishlist weiter nutzen möchtest, entferne umgehend deine private Wohnadresse.

Mögliche Alternativen zur Adresse:

  • Packstation
  • Paketshop
  • Eine Lieferadresse außerhalb deines direkten Wohnumfelds (z. B. Nachbarstadt)
  1. Wishlists überarbeiten

Prüfe alle bestehenden Wishlists und passe die Lieferadresse für jede öffentlich geteilte Liste an.

  1. Alternative Plattformen nutzen

Falls die oben genannten Optionen für dich nicht umsetzbar sind, empfehlen wir alternative Plattformen für Geschenke/Wishlisten in Betracht zu ziehen:

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Alternative Plattform: Throne

 Throne funktioniert ähnlich wie Amazon vor der Umstellung und schützt deine Adresse, indem Geschenke über den Dienst selbst verwaltet werden.
Wichtig für die Community: Throne ist für den Schenkenden kostenpflichtig. Und da liegt auch schon das größte Problem dieser Alternative und kann die Bereitschaft zur Unterstützung beeinflussen. Wir möchten Throne trotzdem erwähnen, weil die Plattform derzeit eine der wenigen Optionen ist, die in Bezug auf Adressschutz vergleichbar ist und auch ebenso komfortabel funktioniert.

Wie funktioniert die Kostenstruktur bei Throne?

Je nach Art des Artikels und Abwicklung können folgende Gebühren anfallen:

  • Zahlungsbearbeitungsgebühren (z. B. ca. 2,9 % + Fixbetrag pro Transaktion).
  • Zusätzliche Servicegebühren von mehreren Prozent.
  • weitere Aufschläge bei Währungsumrechnung.

In bestimmten Fällen können sich zusätzliche Gebühren auf über 10 % des Warenwerts summieren und werden oft erst im Checkout vollständig angezeigt.

 

Unsere Einschätzung

 Pro: Throne bietet zukünftig im Vergleich zu Amazon mehr Schutz im Bereich Anonymität.

Contra: Die Community muss mit teilweise hohen, zusätzlichen Kosten rechnen.

Fazit: Solltet ihr euch für Throne entscheiden, empfehlen wir der Community transparent zu kommunizieren, dass beim Kauf zusätzliche Gebühren anfallen.

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Alternative Plattform: YouPay

Eine weitere Möglichkeit zu Amazon ist YouPay.
Die Plattform ist auf Content Creator ausgerichtet und legt, ebenso wie Throne, den Fokus auf den Schutz persönlicher Daten.

Die private Lieferadresse wird ebenfalls nicht an Schenkende weitergegeben und die Abwicklung erfolgt auch in diesem Fall über die Plattform selbst.

 

Wie funktioniert die Kostenstruktur bei YouPay?

Für Content Creator ist die Nutzung kostenfrei.
Es fallen keine monatlichen Gebühren oder prozentualen Abzüge vom Geschenkwert an.

Allerdings entstehen auch hier beim Kauf eines Geschenks zusätzliche Gebühren für die schenkende Person.

YouPay erhebt eine sogenannte „Gifting Fee“, die:

  • Transaktionskosten
  • Zahlungsabwicklung
  • sowie Sicherheits- und Betrugspräventionsmaßnahmen

abdeckt.

Je nach Zahlungsart und Geschenk variieren die zusätzlichen Gebühren bei jedem Kauf und werden auch erst wieder bei Checkout ersichtlich.

 

Unsere Einschätzung

 Pro: YouPay bietet im Vergleich zu Amazon derzeit einen besseren Schutz der Privatadresse.

Contra: Die Community muss mit zusätzlichen Kosten rechnen, die erst spät ersichtlich werden.

Fazit: Solltet ihr euch für YouPay entscheiden, empfehlen wir der Community transparent zu kommunizieren, dass beim Kauf zusätzliche Gebühren anfallen.

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🔎 Weitere Möglichkeiten / Alternativen

Neben Amazon, Throne oder YouPay gibt es natürlich noch weitere Anbieter, die ähnlich aufgebaut sind oder zumindest eine Art Wishlist-Funktionen anbieten.

Nachteil bei fast allen ist allerdings, dass eine geschützte Abwicklung über die eigene Plattform meist jedoch mit teilweise hohen Gebühren für die Community einhergeht.

Andere Dienste haben keine Wishlist-Funktion, sondern bieten lediglich die Möglichkeit Produkte in einer Übersicht zu sammeln und zu verlinken. Der Kauf findet dann direkt im jeweiligen Onlineshop statt. Doch auch bei diesen Diensten sollte immer genau geprüft werden, ob die private Adresse hinterlegt oder bei Lieferung angezeigt wird.

Darüber hinaus existieren Modelle, bei denen nicht klassisch Produkte/Geschenke verschickt werden, sondern mit Gutscheinen, Paykarten oder Spenden gearbeitet wird. Vorteil ist bei dieser Variante, dass keine Lieferadresse benötigt wird.

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Individuelle Lösungen (DIY)

 Einige Content Creator nutzen selbst erstellte Wunschlisten über:

  • Google Sheets
  • Notion
  • Airtable
  • Pinterest

Wichtig ist jedoch:
Sobald physische Produkte verschickt werden sollen, benötigt ihr trotzdem eine separate Lieferadresse (z. B. Postfach, Paketdienstleister oder externe Annahmestelle).

Diese Lösungen sind sehr viel weniger komfortabel, erfordern dauerhafte Pflege und haben keine Funktion, bei der die Geschenke automatisch verschickt werden, sind aber auf jeden Fall eine sehr sichere und für alle Seiten kostenlose Variante.

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Neben alternativen Plattformen gibt es noch weitere Möglichkeiten

 

Alternative zur Packstation: Externe Adress- und Büroservices

Neben Packstationen oder Paketshops könnt ihr auch einen externen Büroservice mit physischer Annahmestelle nutzen.

Viele Managements / Anbieter stellen eine ladungsfähige Geschäftsadresse oder Büroanschrift zur Verfügung und übernehmen:

  • Die Annahme von Paketen.
  • Die Annahme von Briefen.
  • Sowie die Weiterleitung an euch.

Auf diese Weise könnt ihr ebenfalls eure Privatadresse schützen und trotzdem Geschenke erhalten.

Wichtig:
Unsere Empfehlung bezieht sich in diesem Fall ausschließlich auf die physische Paket- und Briefannahme als Schutzmaßnahme für eure Wohnadresse.

Dies ist ausdrücklich keine rechtliche Empfehlung im Hinblick auf Impressumsangaben, da hier andere gesetzliche Anforderungen gelten können.

 

Kosten und Umfang

Im Gegensatz zu einer Packstation sind solche Services in den meisten Fällen kostenpflichtig.

Die Preise variieren je nach Anbieter und gebuchtem Leistungsumfang, zum Beispiel abhängig von:

  • Monatlicher Grundgebühr.
  • Anzahl der angenommenen Sendungen.
  • Scan- oder Benachrichtigungsfunktion.

Je nach Modell und Anbieter können monatliche Kosten im mittleren zweistelligen Bereich entstehen.

 

Unsere Einschätzung

Für Content Creator kann ein solcher Service eine sinnvolle Alternative zur Packstation oder anderen Plattformen sein. Besonders wenn regelmäßig Geschenke verschickt werden.

Die Kosten tragt ihr in diesem Fall selbst. Daher informiert euch vorab genau über Kostenstruktur, Vertragsbedingungen, Laufzeiten und Leistungsumfang.

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Unser Fazit

Wenn ihr öffentlich sichtbar seid und/oder bereits Erfahrungen mit Bedrohungen gemacht habt, lautet unsere klare Empfehlung:

  • Wohnadresse und Lieferadresse konsequent trennen.
  • Komfort nicht über Sicherheit stellen.
  • Regelmäßig prüfen, welche Daten über euch technisch sichtbar werden könnten.

Nicht jede Plattform ist sicher in der Nutzung.
Überlegt genau welche Plattform oder Alternative für euch in Frage kommt und informiert eure Community transparent, wenn bei bestimmten Anbietern zusätzliche Kosten entstehen.

 

Dieses Update dient der Aufklärung und Prävention.

Bitte triff eine bewusste Entscheidung zu deinem Schutz. Falls Wishlisten in Zukunft für dich aus Datenschutz- und/oder Kostengründen nicht mehr in Frage kommen sollten, dann ist das vollkommen in Ordnung und der einzig richtige Schritt für deine Sicherheit.

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TeamKompass e.V. Discord Server

Ein wichtiger Hinweis an dieser Stelle: wir verdienen mit solchen Hilfestellungen keinen Cent! Sämtliche Services, Tutorials innerhalb des Sicherheitsbereichs auf der Homepage sind kostenlos für jeden nutzbar. Kostenlos sind ebenso Beratungsgespräche zu Sicherheitsthemen, Hate-Raids, Impressumsdiensten usw.
Unser Engagement ist eine rein ehrenamtliche, kostenlose Tätigkeit für Streamer! Wir schreiben jede Anleitung, jeden Text selbst, testen die vorgeschlagenen Programme und Tools und stellen anschließend diese Anleitungen und Tipps unentgeltlich zur Verfügung.
Cheers! TeamKompass

TeamKompass zu Gast im Podcast „Schoolcrime“

TeamKompass zu Gast im Podcast „Schoolcrime“

TeamKompass zu Gast im Podcast

Schoolcrime – wenn das Smartphone zur Waffe wird

In Kooperation mit dem Stadtmedienzentrum Stuttgart war TeamKompass im Podcast „Schoolcrime – wenn das Smartphone zur Waffe wird, zu Gast. Gemeinsam mit dem Podcast-Team haben wir ausführlich über das Thema Hate-Raids gesprochen.

Der Fokus dieser Folge lag dabei auf Essensraids. Kurz gesagt sind Essensraids von Dritten über Lieferando ausgelöste, unbezahlte Bestellungen auf die Privatadresse.

Auch wenn wir in unseren Workshops und Gesprächen immer wieder mit den gleichen Fragen konfrontiert werden, fallen die Reaktionen immer unterschiedlich stark aus: Sprachlosigkeit, Unglaube, Unverständnis, die Frage nach dem Warum – und oft tiefe Betroffenheit, wenn die Auswirkungen solcher Übergriffe bewusst werden.

Was vielen unserer Gesprächspartner zunächst nicht klar ist: Die psychische Belastung für Betroffene ist enorm. Über Wochen und Monate hinweg mit solchen Angriffen im Privatleben konfrontiert zu sein hinterlässt deutliche Spuren.

Falls ihr etwas ausführlichere Informationen zu Essensraids oder Themen wie z.B. Doxing haben möchtet, schaut gerne in unserem FAQ-Bereich vorbei.

Es freut uns sehr, Teil dieses Formats gewesen zu sein und so ein wenig mehr Sichtbarkeit für das Thema rund um Hate-Raids erreichen zu können.

 

🎧 Die Folge ist jetzt auf Spotify verfügbar.

„Schoolcrime – wenn das Smartphone zur Waffe wird“, ist eine Produktion des Landesmedienzentrum Baden-Württemberg. Er wird gefördert durch das Baden-Württembergische Ministerium für Kultus, Jugend und Sport und der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg und unterstützt vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg sowie der Landeskoordinierung spezialisierter Fachberatung bei sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend Baden-Württemberg (LKSF).

TeamKompass e.V. Discord Server

Ein wichtiger Hinweis an dieser Stelle: wir verdienen mit solchen Hilfestellungen keinen Cent! Sämtliche Services, Tutorials innerhalb des Sicherheitsbereichs auf der Homepage sind kostenlos für jeden nutzbar. Kostenlos sind ebenso Beratungsgespräche zu Sicherheitsthemen, Hate-Raids, Impressumsdiensten usw.
Unser Engagement ist eine rein ehrenamtliche, kostenlose Tätigkeit für Streamer! Wir schreiben jede Anleitung, jeden Text selbst, testen die vorgeschlagenen Programme und Tools und stellen anschließend diese Anleitungen und Tipps unentgeltlich zur Verfügung.
Cheers! TeamKompass

Safer Internet Day – Gemeinsam gegen Hass und Desinformation

Safer Internet Day – Gemeinsam gegen Hass und Desinformation

Safer Internet Day – Gemeinsam gegen Hass und Desinformation

 

Auch wir haben unseren Teil zum Safer Internet Day beigetragen.

Dieses Mal lief alles etwas anders als gewohnt – und vor allen Dingen hatten wir ein besonders anspruchsvolles Publikum: Schüler der Klassen 9 und 10. denen wir „Hate-Raids auf Twitch“ näherbringen durften.

Wir haben den Vortrag jugendgerecht angepasst und interaktiv gestaltet. Die Schüler waren nicht nur Zuhörer, sondern die ganze Zeit aktiv mit dabei – und genau das hat für viele konstruktive Diskussionen und einige Denkanstöße gesorgt.

Safer Internet Day

Es hat uns sehr viel Freude bereitet zu sehen, wie sich die Dialoge zu diesem nicht ganz einfachen Thema entwickelt haben.

Durch das durchweg positive Feedback von Lehrkräften und Schülern wurden wir direkt für das nächste Jahr „verpflichtet“.

Link: https://internat-lucius.de/portfolio-item/safer-internet-day/

 Wir freuen uns also jetzt schon auf den Safer Internet Day 2.0.

TeamKompass beim Jahrestreffen der BAG

TeamKompass beim Jahrestreffen der BAG

Im Dezember 2024 fand das Jahrestreffen der BAG »Gegen Hass im Netz« statt – ein Event, das sich intensiv mit den Herausforderungen von Hassrede, Desinformation und Extremismus im digitalen Raum befasste.

Wir hatten im letzten Jahr einen sehr guten und produktiven Austausch mit der BAG, aus dem ein eigener Use Case (“Anwendungsfälle wissenschaftlicher Expertisen und Monitoringdaten in der zivilgesellschaftlichen Praxis”) für TeamKompass entstanden ist. Durch die so entstandenen Auswertungen wurde unsere Arbeit gezielt unterstützt und hat es uns ermöglicht, Kontakt zu mehr Betroffenen aufnehmen zu können.

TeamKompass beim Jahrestreffen der BAG »Gegen Hass im Netz« 2024 2

Zum Jahrestreffen kamen am 8. November 2024 in Berlin Vertreter*innen des Wissenschaftlichen Beirats und des Zivilgesellschaftlichen Forums zusammen. Gemeinsam mit dem Team blickten sie auf drei Jahre intensive Arbeit in der BAG »Gegen Hass im Netz« zurück und entwickelten Ideen für die Zukunft, während die politische Weltlage eines verdeutlichte: Die Themen Hass im Netz, Desinformation und Extremismus sind relevanter denn je.

Neben den fachlichen Diskussionen und Vorträgen ergaben sich zahlreiche spannende Gespräche und wertvolle neue Connections. Auch die Gruppenarbeit zur Weiterführung und Weiterentwicklung des Zivilgesellschaftlichen Forums hat uns viel Spaß gemacht und die Ergebnisse daraus werden unsere gemeinsame Arbeit gegen Hass im Netz weiter nach vorne bringen.

Leider wurde das Projekt BAG »Gegen Hass im Netz« mit Abschluss des Jahres 2024 aufgrund von ausgelaufener Förderung nicht fortgeführt, wir sind jedoch stolz darauf, ein Teil dieser engagierten Gemeinschaft gewesen zu sein.

Das Zivilgesellschaftliche Forum, in dem auch wir Mitglied sind, wird über das Ende der BAG hinaus bestehen bleiben.
 
Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit und darauf, in Zukunft auch auf diesem Weg einen Beitrag gegen Hass im Netz leisten zu können!

Hate-Raid Rekordzahlen! Die Folgen der ARD-Berichterstattung

Hate-Raid Rekordzahlen! Die Folgen der ARD-Berichterstattung

Schwerwiegende Folgen für Twitch-Streamer aufgrund der Berichterstattung von ARD-Kontraste und Spiegel-Online

 

Ein bekanntes Sprichwort besagt:
Bad publicity is better than no publicity”.

Seit dem 11.04.2024 wissen wir, dass dieses Sprichwort für Betroffene der Hate-Raider-Gruppierungen definitiv nicht zutrifft.

Warum treffen wir solch eine Aussage?

Lassen wir, bevor wir auf die Hintergrundgeschichte eingehen, erst einmal Zahlen sprechen, die uns vom „Institut für Sicherheit und Datenanalyse im Streaming (ISDS)” für diesen Artikel zur Verfügung gestellt wurden.

Hate-Raid Rekordzahlen. Zahlen, Daten und Fakten

Dramatische Zahlen seit Veröffentlichung der Berichterstattungen von ARD-Kontraste und Spiegel-Online

 

Fakten ab dem 11.04.2024:

– Angriffe auf Twitch-Streamer: 181 Betroffene.
– Essensraids: 582 (Dunkelziffer wahrscheinlich deutlich höher).
– Swattings: 36 (Dunkelziffer wahrscheinlich deutlich höher).

ALLE 181 Angriffe auf Twitch-Streamer resultierten entweder in Essensraids und/oder Swattings. Mehrfache Swatting-Einsätze bei dem gleichen Streamer wurden nicht berücksichtigt.

Wir sprechen bei dieser Erhebung über einen Zeitraum von knapp 3 Wochen! Dies sind Rekordzahlen.

Wer die Zahlen grob auf das restliche Jahr 2024 hochrechnet, wird wahrscheinlich genauso entsetzt sein wie wir.

Hate-Raid Rekordzahlen. Storytime

Hintergrund und erste Kontaktaufnahme der ARD-Kontraste

Im März 2024 hat sich ein Journalist des Formats „ARD-Kontraste” an uns und weitere Vereine und Personen, die sich mit dem Thema „Hate-Raids” auseinandersetzen, gewandt, um eine Reportage und einen Artikel in Zusammenarbeit mit Spiegel Online zu diesem Thema zu veröffentlichen.

Gespräche wurden vereinbart, erste Informationen ausgetauscht und insgesamt erschien die Herangehensweise an dieses Thema zunächst sehr professionell und positiv. Es wurde versichert, dass sämtliche Inhalte jahrelang intensiv recherchiert wurden.

Kontakt Teil II

Nach dem ersten Gespräch mit dem Journalisten, das aus unserer Sicht sehr gut gelaufen ist, wurden uns Fragen für den Beitrag und ein Interview zugeschickt. Die Fragen bezogen sich ausschließlich auf die Themen „Swatting” und “zu den Gruppierungen”, die für die Hate-Raids verantwortlich sind.

Aufgrund der Tatsache, dass sich der Bericht ausschließlich um diese Themengebiete drehen sollte, waren wir uns bei TeamKompass einig, dass wir von der Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung zurücktreten, da das so aufwendige und detailreiche Gesamtthema „Hate-Raids auf Twitch” plötzlich nicht mehr von Interesse war.

Durch den engen Austausch mit dem „Institut für Sicherheit und Datenanalyse im Streaming (ISDS)” wussten wir kurze Zeit später, dass der Journalist nach unserer Absage mit ihnen in Kontakt getreten ist.  Da wir eine gute Kooperation mit dem Institut pflegen und die gewissenhafte und detaillierte Arbeit der Mitarbeiter sehr zu schätzen wissen, hatten wir zu diesem Zeitpunkt noch die Hoffnung, dass der Bericht doch noch eine gute Wende nehmen könnte.

Hoffnungen

Dieser Beitrag hätte sehr viel Potenzial gehabt, endlich die notwendige Aufmerksamkeit auf die Gesamtproblematik „Hate-Raids” und deren Folgen für die betroffenen Twitch-Streamer zu lenken.

Doch wie schnell diese Hoffnung umschlagen kann, wussten wir bis zum Abend des 11.04.2024 selbst noch nicht.

Hate-Raid Rekordzahlen. Die Ausstrahlung

Die Ausstrahlung

Fassungslosigkeit und Verzweiflung: So könnte man den Zustand nach dem Bericht sowohl im öffentlich-rechtlichen Fernsehen als auch auf Spiegel-Online beschreiben.

Im Nachgang zu diesem redaktionellen Desaster haben die Mitglieder des ISDS und TeamKompass intensiv und ausführlich über die Folgen diskutiert.

Wir sehen folgende Punkte besonders kritisch:

1. Es findet eine gewisse „Glorifizierung” der „Arbeit”/Angriffe der Gruppierungen statt. Diese haben sich nachweisbar sehr darüber gefreut, dass scheinbar keine Strafverfolgungsbehörde in der Lage wäre, sie zu fassen, und sie im Prinzip tun und lassen können, was sie wollen. Dies wird mehrfach in der Reportage und dem Artikel erwähnt.

2. Die Aussage, dass die Polizeibehörden sich nicht sonderlich um Fälle wie Swattings, Essensraids und die Verfolgung der Gruppierung kümmern, ist absolut nicht korrekt wiedergegeben und zeugt nicht nur von schlechter Recherche, sondern rückt auch die Polizeiarbeit in ein mehr als schlechtes Bild.

3. Zudem hat sich die Sorge über einen drastischen Anstieg der Mitgliederzahlen leider in der Zwischenzeit schon bewahrheitet.

Hate-Raids Rekordzahlen - Die Antwort der Medienlandschaft

Die Antwort der Medienlandschaft

Das Medienecho war leider genauso katastrophal wie die Berichte an sich. Swatting war DAS Thema und hat einen kurzen, medialen Aufschrei mit entsprechender Aufmerksamkeitswirkung verursacht.

Man könnte argumentieren: Dann hatte die Berichterstattung doch einen positiven Erfolg. Man spricht über das Thema.

Klares Nein! Man spricht nur über das clickbaitige Thema Swatting.
Als kleine Randnotizen werden Essensraids und in einem der über 20 Berichte, die die Thematik aufgegriffen haben, nur einmal „Twitch” im Nebensatz, erwähnt.

Thema verfehlt, und zwar auf ganzer Linie!

Was hätten wir uns gewünscht?

Drohungen/Hate Speech, Doxing, Essensraids, Swattings, Deepfakes und Fake-Bombendrohungen in Verbindung mit den dramatischen Folgen für Twitch-Streamer und Content-Creator. Verbunden mit einigen nachweisbaren Daten und Fakten, die aufzeigen, dass Betroffene von Hate-Raids über 95% kleine Twitch-Streamer darstellen und nur ein minimaler Teil auf große Influencer oder Politiker zurückzuführen ist.

Was haben wir bekommen?

Reißerische Berichterstattung. Teilweise nicht korrekt wiedergegebene Fakten, fragwürdige Quellen und Aussagen von angeblichen Experten, die nicht einmal auf Wahrheitsgehalt geprüft oder überhaupt auch nur ansatzweise hinterfragt worden sind. Weitergabe von gefährlichem Halbwissen aufgrund von Veröffentlichungsdruck.

Fazit

Das ISDS und TeamKompass sind sich in diesem Punkt mehr als einig: Auf solche Kooperationen mit der Presse werden wir in Zukunft definitiv verzichten! Eine Zusammenarbeit kann (wenn überhaupt) nur stattfinden, wenn die Federführung der Berichterstattung und die Inhalte an den Stellen verankert sind, die auch für die inhaltliche Korrektheit sorgen können: Bei uns.

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